Recherche-Odysee – Gustav Tietze AG – ´EXACT´ Typenrad-Schreibmaschine

Noch bevor ich wirklich meine Leidenschaft für Schreibmaschinen entdeckt habe, ist mir eine kleine Besonderheit zugelaufen. Eine kleine Schreibmaschine mit der Aufschrift „EXACT“ und der Seriennummer 2421 auf dem Boden der Grundplatte.

Mit dem Wachsen meiner Sammlung nahm auch das Interesse an der Geschichte der einzelnen Maschinen und der Entwicklung der Herstellerfirmen zu. Ich versuchte also, auch mehr Informationen zu meiner EXCACT-Schreibmaschine zu bekommen. Leider gestaltete sich dies schwieriger als gedacht. Bei meinen Recherchen bin ich auf 2 unterschiedliche Jahreszahlen für den Produktionsbeginn gestoßen, 1913 und 1931. Beide konnten nicht korrekt sein und so wurde mein Ehrgeiz geweckt, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Bereits auf den ersten Blick vermutete ich, dass sich bei den letzten 2 Stellen de Jahreszahl irgendwann und irgendwo ein Zahlendreher eingeschlichen hat. In den Publikationen von Leonhard Dingwerth, „Kleines Lexikon historischer Schreibmaschinen“ von 1997, Reinhold Schubert, „Sächsische Schreibmaschinen von 1900 bis 1990“ und Ernst Martin, „Die Schreibmaschinen und ihre Entwicklungsgeschichte von 1949, wird 1913 als erstes Produktionsjahr genannt. Nach den Angaben dieser Quellen stellte die Firma Gustav Tietze AG in Leipzig diese Maschine als Nachfolgemodell der „Famos“  her.

Die Beschriftung und die Konstruktion ließen 1913 durchaus als plausibel erscheinen, jedoch ist sowohl die „Famos“ als auch die „EXACT“ (auch als „AKTIV“ vertrieben) eher dem Spielzeug zuzuordnen. Die „Famos“ wurde ab 1910 für einen Preis von 3,50 RM verkauft, die „AKTIV“ für einen Preis von 25 – 30 RM. Diese bis zu 30 RM erschienen mir, für ein Spielzeug in dieser Zeit, einfach zu hoch, weshalb ich weiter recherchierte. In den Ausgaben von Ernst Martin von 1923 und 1934 zeigte sich mir ein anderer Sachverhalt.

In der Ausgabe von 1923 wird die „Aktiv“ noch nicht erwähnt und die „Famos“ wird nach den Angaben zum Zeitpunkt des Erscheinens noch produziert. In der aktualisierten Fassung von 1934 werden beide Maschinen getrennt aufgeführt und das erste Produktionsjahr für die „AKTIV“ mit 1931 benannt.

Was alle Quellen gemeinsam benennen:

  • Hersteller: Gustav Tietze AG, Leipzig
  • Nachfolgemodell der Famos-Schreibmaschine
  • Verkaufspreis von 25 – 30 RM

Die von mir recherchierten Informationen:

  • Umwandlung der Firma Gustav Tietze Stempelwaren- und Maschinen-Fabrik in Gustav Tietze AG  im Jahr 1923
  • erste Benennung der „AKTIV“ in Ernst Martin „Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte“ von 1934 mit 1931 als erstem Produktionsjahr
  • durchschnittlicher Monatslohn 1913 ca. 80 – 90 RM, wodurch ein Verkaufspreis von 25 – 30 RM für ein Spielzeug zu hoch ist

Meine Vermutung ist daher, dass sich beim Zusammenlegen der Informationen zur „Famos“ und der „AKTIV“ in der Publikation von Ernst Martin von 1949 der Zahlendreher von 1931 auf 1913 eingeschlichen hat. Je nachdem auf welche Quellen heutige Autoren Bezug nehmen, werden beide Jahreszahlen verbreitet.

Um meine Vermutung noch etwas zu untermauern, setzte ich mich mit den Technischen Sammlungen Dresden in Verbindung. Mir wurde dort sowohl ein fachlicher Austausch als auch ein Fundusbesuch ermöglicht. Zu den Angaben aus der Loseblattsammlung von Leonhard Dingwerth, wurde eine Ergänzung vorgenommen, welche mir freundlicher Weise zur Verfügung gestellt wurde.

Leonhard Dingwerth – 1997

Für mich sprechen die Fakten somit eindeutig, dass nur 1931 als 1. Produktionsjahr in Frage kommt.

Sollte jemand noch weitere Informationen zur Schreibmaschine oder der Firma Gustav Tietze AG, die meiner Einschätzung entgegenstehen, so würde ich mich gern auf einen Dialog einlassen.

3D-Druck – Chance zur Fertigung von Ersatzteilen – Teil 2

Nun endlich die Fortsetzung zu meinem Beitrag vom 10. April 2017. Die weitere Reparatur meiner Schreibmaschine Merz Modell 3, Baujahr 1928, hat sich leider etwas verzögert. Es ist mir jetzt aber geglückt und ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden.

Nachdem ich diese Maschine eigentlich nur als Ersatzteilspender gekauft hatte, packte mich dann doch der Ehrgeiz, der „alten Dame“ wieder leben einzuhauchen. Nachdem ich aber die Typenlagerung und die Tastenlagerung entnommen hatte, stand die Frage nach dem „Wie?“ im Raum. Nachdem die Kosten für Ersatzteile aus Metall (Guss, CNC-Fräsung) den finanziellen Rahmen gesprengt hätten, startete ich mein Projekt „Ersatzteile aus dem 3D-Drucker“.

In meinem ersten Beitrag bin ich bereits auf die Details zum 3D-Druck eingegangen, dies lasse ich hier also weg. Das Material war wesentlich stabiler als ich erwartet hatte. So konnte ich die noch notwendigen Anpassungen durch Schleifen und Bohren vornehmen, selbst das Schneiden von Gewinde war möglich.

Ich hoffe anhand der Bilder wird meine Vorgehensweise etwas nachvollziehbar.

 

 

Mein Fazit ist, dass der 3D-Druck durchaus Potential besitzt, diverse Teile von Schreibmaschinen zu ersetzen. Die größte Herausforderung hierbei ist, ein möglichst genaues 3D-Modell zu fertigen, denn ohne dieses kein Druck. Hierbei wird es bei fehlenden  Teilen in der Praxis wohl Probleme geben, an die notwendigen Maße zu kommen. Bei defekten aber vorhanden Teilen benötigt man nur ein 3D-Programm, einen Mess-Schieber und etwas Geduld. Ok, manchmal ist auch etwas mehr Geduld nötig 😉

Das Ergebnis lässt sich nachfolgend betrachten. Sie schreibt wieder und die Bilder zeigen den ursprünglichen und den neuen Zustand. Mir gefällt der neue Look besser. 😉

3D-Druck – Chance zur Fertigung von Ersatzteilen

Wer schon mal eine defekte Schreibmaschine reparieren wollte und dazu Ersatzteile benötigte, hat bestimmt gemerkt, wie schwierig es ist Ersatzteile zu finden. Ich selbst habe, dann auch schon auf baugleiche Schreibmaschinen zurückgegriffen, um mir die benötigten Teile zu beschaffen. Bei dieser Art der Beschaffung gibt es jedoch Probleme, wenn die Maschine entsprechend selten ist, oder wie im Fall meiner Schreibmaschinen Merz Modell 3, bei fast allen Maschinen der gleiche defekt Auftritt. Bei der Merz 3 sind speziell 2 Gussteile von der sogenannten Gusspest betroffen. Bei der Alterung des Metalls, im Besonderen, wenn die Teile größeren Temperaturschwankungen unterliegen, löst sich die Struktur des Metalls auf. Es entstehen Risse, die Bauteile beginnen sich zu dehnen und brechen dann Stück für Stück auseinander. Da ich also nicht auf Originalteile zurückgreifen konnte, habe ich mich entschieden einen Versuch zu starten, die Ersatzteile mittels 3D-Druck fertigen zu lassen. Nachdem ich die Teile mittels 3D-Modelling virtuell neu erstellt habe, ließ ich sie im SLS-Verfahren (Lasersintern, Material PA2200) drucken. Nachdem ich nun die erste Komponente mit dem Kunstoff-Ersatzteil zusammengebaut habe, sieht es so aus, als könnte sich das Verfahren tatsächlich in der Praxis bewähren. Ich werde hierzu weiter berichten, wenn ich die Schreibmaschine wieder komplettiere.