Schreibmaschine und Bürotechnik – ein Rätsel der Archäologie

Es wird so manchen geben, der sich die Frage stellt, was haben Schreibmaschinen bzw. Bürotechnik mit Archäologie zu tun? Denken die meisten bei Archäologie doch an Ausgrabungen in Ägypten, im Nahen Osten oder ähnliches. Der ein oder andere bleibt sicherlich auch in Europa, dann aber wohl zeitlich weit vor der Erfindung und industriellen Fertigung der Schreibmaschine. Vielleicht verknüpft man noch die zahllosen Forschungsergebnisse und Grabungsberichte mit der historischen Schreibtechnik, welche in der näheren Vergangenheit akribisch und unermüdlich getippt wurden, bevor der Computer die Arbeit erleichterte. Doch darum soll es mir heute nicht gehen.

Lange Zeit eher als Unrat angesehen, rücken nun auch Grabungsfunde aus neuerer Zeit langsam in den Fokus der Archäologen, denn auch diese sind Zeitzeugen und lassen Schlüsse auf ökologische, ökonomische und kulturelle Verhältnisse zu. Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, treten selbst Ereignisse aus dem frühen 20. Jahrhundert bereits in den Schatten des Vergessens und wertvolle Detailinformationen gehen verloren. Im Gespräch mit einem Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie Sachsen über meine Leidenschaft für Schreibmaschinen kam die Frage auf, ob ich nicht mein Wissen nutzen kann, um Informationen zu Schreibmaschinenfunden zu liefern. Ich stieß auf offene Ohren bei den zuständigen Stellen und so konnte ich schon bald die ersten Funde in Augenschein nehmen. Der Zustand der Maschinen ist leider sehr schlecht, aber mich hat der Ehrgeiz gepackt, zumindest ein klein bisschen Licht in dieses „archäologische Rätsel“ zu bringen.

Doch nun zur Sache selbst. Bei Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Leipzig im Zusammenhang mit dem Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis (Grabung L-180) wurden im Keller des ehemaligen Stadtsteueramtes einige technische Geräte gefunden. Trotz des schlechten Zustandes wurden die Überreste einer Schreibmaschine identifiziert (Bild 1).

„>Auszug aus dem Grabungsbericht “ …“Die westlichen Keller in Schnitt 6 gehören laut Stadtplan zum Stadtsteueramt. Die Schuttverfüllung dieser Keller (Bef. 77) bestand fast nur aus Ziegelschutt, Sand und Kohlenbruch. Zuunterst auf dem Fußboden in einer Kellerecke standen mehrere kleine technische Geräte wie eine Schreibmaschine und wahrscheinlich ein Schreibtelegraf. …“

 

Bereits beim ersten Anblick der rostigen und verformten Überreste einer großen Apparatur (Bild 2) wurde mir schnell klar, dass es sich um eine Rechenmaschine (Saldier- oder auch Pult-Addier-Maschine (ähnlich Bild 3)) handeln muss, allein schon durch den Aufbau der Tastatur und der großen Eingabetaste. Ein Schreibtelegraf konnte dies nicht sein.

Da das Stadtsteueramt im 2. Weltkrieg zerstört wurde, liegt die zeitliche Obergrenze bei optimistischer Einschätzung bei 1945. Ich würde aufgrund der Bauweise der Schreibmaschine und dem technischen Stand der Buchungsmaschine von einem Zeitrahmen der Produktion von 1920 bis 1940 ausgehen. Da eine Identifizierung der Objekte noch nicht möglich war, ist diese Angabe jedoch sehr unsicher.

Daher mein Aufruf an alle, die sich mit historischer Bürotechnik auskennen oder einen Beitrag zur Bestimmung leisten können – meldet euch bei mir. Die Geschichtsschreibung wird es euch vielleicht nicht gleich danken, ich aber in jedem Fall. Da ich mich im Bereich der Rechen- und Saldier-Maschinen nicht auskenne, ist jeder Hinweis willkommen.

Auf den folgenden Bildern habe ich versucht, die aus meiner Sicht vorhandenen Identifikationsmerkmale (A-E) hervorzuheben.

A – Wagen mit Schreibwalze / B – mögliche Farbbandspule / C – Eingabetaste + / D – hervorstehende, gelochte Motorabdeckung (elektrisch betriebene Maschine) / E – Stellhebel am Wagen

 


Mit Schreibmaschinen kenne ich mich besser aus und habe mich daher sofort in die Recherche gestürzt. Aufgrund des Umstandes, dass Leipzig in Sachsen liegt und in Sachsen viele Schreibmaschinen-Hersteller ansässig waren, habe ich bei den sächsischen Schreibmaschinen mit meiner Suche begonnen.
Ja, ich weiß, viel ist von der Maschine nicht erhalten geblieben und dennoch gibt es Anhaltspunkte für eine Identifizierung. Mein Augenmerk richtete sich auf den Aufbau der Tastatur mit ihren vorgelagerten 12 Sondertasten (Details 1).

 


Ich habe tatsächlich einen Hersteller und Typ ausfindig gemacht, der passen könnte. 12 Sondertasten bei einer Buchungs-Schreibmaschine habe ich nur am Modell Ideal bzw. Ideal-Blitz der Firma Seidel & Naumann aus Dresden gefunden.

Die Sondertasten dienten der Erleichterung zur Eintragung von Zahlenwerten in spezielle Kontenblätter in der Buchführung. In Kombination mit der vorhandenen Tabulatorfunktion konnten Beträge mit unterschiedlicher Länge leicht so untereinander geschrieben werden, dass das Komma in jeder neuen Zeile an der gleichen Stelle stand, ohne dass der Benutzer die Anzahl der Ziffern vorher zählen musste. Technisch wurden dafür die Tastenhebel der Sondertasten gebündelt, unter der Maschine durchgeführt und mit der Tabulatorsteuerung verbunden (Details 2).
Diese Innovation war für das Führen von Konten in Papierform eine große Hilfe.

Weiterentwicklungen brachten dann auch rechnende Schreibmaschinen hervor, mit welcher sich Kontosalden bilden und übertragen ließen, doch dies ist eine andere „Geschichte“. 😉

Ein Abgleich der von mir gemachten Bilder mit Bildern der Unterseite der Ideal-Blitz bringen deutliche Übereinstimmungen zu Tage. Lediglich die Struktur (A1) passt nicht so recht ins Bild. Ich gehe jedoch davon aus, dass dieses Bauteil dort eigentlich nicht hingehört. Eventuell wurde es im Rahmen der Ausgrabung dort hingelegt (ich durfte nur anschauen, nicht anfassen 😉 ) und ist nicht mit dem Rahmen verbunden oder es hat diesen Platz im Rahmen der Zerstörung und Verwitterung eingenommen. Die sonstigen Dimensionen unterstützen jedenfalls meine Theorie, dass es sich bei der Schreibmaschine um eine Maschine vom Typ Ideal der Marke Seidel & Naumann Dresden handeln könnte.

 


Da die Anzahl der Hersteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast unüberschaubar war – denn viele Unternehmen für Metallverarbeitung und Feinmechanik versuchten sich in der Fertigung von Schreibmaschinen – kann es weitere Schreibmaschinen geben, welche die oben genannten Kriterien auch erfüllen, mir bei meiner Recherche aber nicht über den Weg gelaufen sind. Auch hier die Bitte an alle, die helfen können – gebt mir weitere Informationen, wenn ihr welche habt.

Vielen Dank schon mal an alle, die etwas Licht ins Dunkel der Geschichte bringen.

Ein besonderer Dank richtet sich an den Sammlerkollegen Peter Wolf aus Berlin, welcher mir Detailfotos seiner Ideal-Blitz Baujahr 1937 lieferte und mir ebenfalls die Verwendung der Bilder aus seiner Onlinegalerie auf www.typewriterdatabase.com  gestattet hat.

Wenn einer eine Reise tut … mit Schreibmaschinen im Gepäck

Nach langer Pause werde ich versuchen, meinem Blog wieder Leben einzuhauchen. Wer bereits einmal umgezogen ist, weiß, wieviel Zeit das in Anspruch nimmt, bevor der Alltag wieder funktioniert und den Hobbys wieder nachgegangen werden kann. So gab es leider eine längere Pause.

Ein normaler Umzug ist das Eine, von einem Umzug mit beinahe 50 Schreibmaschinen plus Zubehör kann ich definitiv nur abraten. Ich habe es aber dennoch gemacht. Ja, manchmal ist das „Leiden“ in Leidenschaft wörtlich zu nehmen. Zum Glück mussten meine Schreibmaschinen nicht alle Wege getragen werden, aber auch das Stapeln im Fahrstuhl war eine Herausforderung. Die Strecken treppauf, treppab mit Koffern in Händen ersetzen jedes teure Fitnessprogramm. 😉 Es wird sich aber auf Dauer nicht durchsetzen – zumindest nicht bei mir. 😉

Alle meine Lieblinge haben die Tortur glücklicher Weise gut überstanden. Nach einer kurzen Zwischenlagerung zum Putzen von 90 Einzelscheiben und dem Zusammenbau der Vitrinen haben jetzt die Schmuckstücke größtenteils ihren Platz in der neuen Wohnung gefunden. Somit bleibt langsam wieder etwas Zeit zum Schreiben.

Zeitdokumente als Zugabe

Manchmal bekommt man mehr als gedacht. 😉 Ohne die entsprechenden Nachschlagewerke steht man bei der Recherche zu Schreibmaschinen ganz schnell mal im Dunkeln und oftmals ist es hilfreich, Informationen durch verschiedene Quellen zu verifizieren. So habe ich mir zur Erweiterung meiner kleinen „Bibliothek“ ein „neues“ antiquarisches Buch gekauft. Die „Kleine Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine“ von Gerhard Ulbricht von 1953.
Das kleine Buch ist in einem tadellosen Zustand. Die große Überraschung fand ich jedoch im Buch zwischen den Seiten. Ein wahren Schatz an Zeitdokumenten in Form von Werbung und Zeitungsartikeln aus den 70er und 80er Jahren erfreute mein Sammlerherz. Da ich gerne teile, wünsche ich viel Spaß beim stöbern. 😉

 

Clemens Müller AG Dresden – „Klein-Urania“

Clemens Müller, geboren 13.07.1828, gründete 1855 nach seiner Rückkehr aus Amerika, wo er in der Nähmaschinen-Industrie arbeitete, die erste deutsche Firma zur Fertigung von Nähmaschinen in Dresden. Die Nähmaschinen der Firma Clemens Müller wurden unter den Markennamen „Original-Saxonia“ und später „Veritas“. Nach dem Tod von Clemens Müller am 16.08.1902 blieb das Unternehmen im Familienbesitz. Am 28. November 1903 die Clemens Müller GmbH. Ab 1909 wurde neben der Produktion von Nähmaschinen auch mit der Produktion von Schreibmaschinen begonnen. Der Techniker und Konstrukteur Heinrich Schweitzer stellte nach nur 6 Monaten Konstruktionszeit die erste Schreibmaschine fertig, welche unter dem Namen „Urania“ auf den Markt gebracht wurde.

Urania KleinschreibmaschinenAuf Basis der Standard-Folding wurde ab 1912 die Produktion um die Fertigung einer Kleinschreibmaschine erweitert. Diese erschien unter dem Namen „Perkeo“ auf dem Markt. 1918 wurde die Clemens Müller GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges stiegen die Produktionszahlen und es wurde Zeit für Neu- und Weiterentwicklungen. So wurde zum Beispiel die „Perkeo“ 1925 durch ein neues Modell einer Kleinschreibmaschine ersetzt, die „Urania Piccola“. In der Zeit von 1935 bis 1949 wurde als Nachfolgerin der „Urania-Piccola“ die „Klein-Urania“ produziert.  Ein Exemplar der „Klein-Urania“ befindet sich auch in meiner Sammlung. Meine „Urania“ wurde 1939 gebaut. Sie ist die einzige Schreibmaschine in meiner Sammlung mit dem Rückführhebel auf der rechten Seite. Eine weitere Besonderheit dieser Maschine ist die schalldämpfende Eigenschaft des verwendeten Materials Siliumin. Der Rahmen, die Spulenkapsel und die Typenhebelverkleidung wurden aus diesem besonders leichten und stabilen Material gefertigt, was einen wesentlichen Einfluss auf den ruhigen Gang der Maschine hat.

Silumin ist eine Leichtlegierung aus Aluminium und Silizium und wurde in einem Artikel der Zeitschrift für Metallkunde 1921 ausführlich als neue Gusslegierung vorgestellt.

Durch eine Schreibmaschine in der „Typewriter Database“ wurde die Bauweise der „Klein-Urania“ während des 2. Weltkrieges anscheinend verändert. So wurde bei einem Exemplar aus dem Baujahr 1942 die Spulenkapsel und die Typenhebelverkleidung anscheinend aus Bakelit gefertigt. Nachdem die Rüstungsproduktion in Deutschland 1942 nochmals stark erhöht wurde, gehörte Aluminium (wichtig im Flugzeugbau) zu einem sehr gefragten Element und dürfte nur noch eingeschränkt für die zivilen Produktionsbereiche zur Verfügung gestanden haben.

Nachdem die Herstellung des duroplastischen Kunststoffs Bakelit aus Phenol und Formaldehyd seit Ende der 20er in Deutschland stark angestiegen ist, war dies eine gute und leicht formbare Alternative. Leider liegen mir keine genauen Informationen zu Verwendung von Bakelit bei der Clemens und Müller AG vor, jedoch kam dieses Material auch bei Kleinschreibmaschinen der Groma- und Olympia-Werke zum Einsatz, wodurch ein Einsatz bei der Klein-Urania durchaus nachvollziehbar erscheint.

 

 

1944 wurde die Produktion von Schreibmaschinen bei der Clemens Müller AG zugunsten der Rüstungsproduktion eingestellt. Nach den Bombenangriffen vom 13. Februar 1945 musste Produktion komplett eingestellt werden. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Mai 1945 wurde das Werk besetzt, die vorhanden Wirtschaftsgüter beschlagnahmt und mit der Demontage des Betriebes begonnen. 1946 konnte eine bescheidene Produktion von Näh- und Schreibmaschinen wieder aufgenommen werden. Ab 1948 wurde der Betrieb unter der Bezeichnung  „VVB Mechanik vormals Clemens Müller AG“ fortgeführt bis 1951 mit der Zusammenlegung mit dem „VVB Mechanik vormals Seidel & Naumann AG“ der „VEB Schreibmaschinen-Werke Dresden“ entstand und die Firma Clemens Müller endgültig verschwand. Noch bis 1960 verließen Urania-Schreibmaschinen die Produktionsstätte in Dresden, danach wurden neben Nähmaschinen nur noch „Erika“-Schreibmaschinen gefertigt.

Zwei Hände und viele kleine Helfer – Teil 1

Heute möchte ich mich mal wieder dem Thema Reparatur und Reinigung widmen. Die meisten Schreibmaschinenbesitzer werden wohl mit wenigen Hilfsmitteln für die einfache Reinigung auskommen. Die Grundausstattung ist bei den meistens Maschinen schon beim Kauf enthalten – ein Pinsel, eine kleine Bürste und ein Lappen. Unter Umständen ist ein gängiges Druckluft-Spray für die Reinigung von PC-Tastaturen noch hilfreich um den Staub aus dem Inneren der Mechanik zu entfernen.

Da ich doch die eine oder andere Schreibmaschine in meinem Bestand habe und noch einige mehr zu reinigen bzw. reparieren hatte, hat sich praktisch eine eigene Sammlung an verschiedenen Helfern gebildet.

Hilfsmittel

Damit mir beim Entstauben nicht die Luft aus der Dose ausgeht, habe ich mir einen kleinen Airbrush-Kompressor zugelegt. Als Düse verwende ich einen medizinischen Absauger aus dem HNO-Bereich, durch die Länge und die Krümmung ideal, um auch schwer zugängliche Stelle vom Staub zu befreien. Was saugen kann, kann auch blasen 😉 Noch ein weiteres Hilfsmittel aus dem medizinischen Gebiet hat den Weg in meinen Werkzeugkasten gefunden. Ein Zahnarztspiegel hat sich beim aufspüren von Problemen und verdeckten Kontermuttern als äußerst praktisch erwiesen. Online-Shops sei Dank. 🙂 Ansonsten verwende ich selbstverständlich auch ganz klassisch Pinsel und Bürsten. Zum Entfernen von Fremdteilen oder zum Fangen entwischter Muttern und Schrauben sind Pinzette und Magnet ebenfalls immer wieder im Einsatz. Zum Ein- oder Aushängen von diversen Federn verwende ich einen Ingenieurs-Anreißnagel (Bildmitte). Die gerade Seite habe ich einseitig mit einer kleinen Kerbe versehen, in dieser finden die Federn einen gewissen Halt. Durch eine leichte Drehung des Anreißnagels rutschen sie an Ort und Stelle. So lassen sich auch Federn ersetzen, wo ich ohne diesen Helfer, erst die Maschine zerlegen müsste. Dies sollte nach meinen Erfahrungen jedoch, soweit wie möglich, vermieden werden. Muss die Schreibmaschine doch demontiert werden, um eine Reparatur auszuführen, benötigt man zudem verschieden Zangen, Maulschlüssel und Schraubendreher. Hier bin ich in der Abteilung Feinmechanik und Modellbau fündig geworden. Es ist extrem wichtig für das Lösen von Schraubverbindungen, dass richtige Werkzeug einzusetzen, denn sonst sind Madenschrauben oder Schlitzschrauben schnell weggebrochen oder unbrauchbar! Der Ersatz solcher Schrauben kann sich leicht zu einem eigenen großen Problem entwickeln, da sich die Maße nicht unbedingt am heutigen Standard orientieren, sondern meist Spezialanfertigungen sind.

Das Geschäft mit dem Krieg – Seidel & Naumann 1916

Fabrikansicht S&N 1909

Fabrikansicht Aktiengesellschaft vorm. Seidel & Naumann 1909

Die Aktiengesellschaft vorm. Seidel & Naumann erwarb aufgrund von Absatzproblemen bei den hergestellten Fahrrädern die Rechte für die Herstellung einer Kleinschreibmaschine nach dem Prinzip der amerikanischen „Standard Folding“. 1910 kam die „Erika 1“ als erste deutsche Reiseschreibmaschine mit klappbaren Wagen in den Handel. Namensgeberin war die Enkelin des Mitbegründers Bruno Naumann. Die „Königin“ unter den Kleinschreibmaschinen erreichte schnell einen hohen Beliebtheitsgrad und bereits 1911 erschien das verbesserte Modell die „Erika 2“.

Die „Erika 2“ ist auch das Modell, welches mittels nachfolgender Feldpostkarte 1916 beworben wurde. Von den Erika-Klappschreibmaschinen wurden bis 1927 über 80.000 Exemplare hergestellt und verkauft. („Erika 3“ ab 1923, „Erika 4“ ab 1926)

Werbepostkarte S&N 1916

Werbepostkarte Seidel & Naumann / Dresden

Tastenspiel oder der Klang der Vergangenheit

Der eine oder andere kennt ihn vielleicht noch, den Klang einer Schreibmaschine im Arbeitsalltag, doch die meisten kennen nur die Geräusche einer Computertastatur. Für Interessierte und Enthusiasten habe ich begonnen, meiner digitalen Sammlung an Schreibmaschinen die entsprechenden Hörbeispiele hinzuzufügen. Ich habe versucht, durch das Schreiben des gleichen Textes eine Vergleichbarkeit der Tastenklänge zu erreichen. Ich hoffe die Unterschiede sind hörbar. 😉 Viel Spaß beim Lauschen. 🙂

Alte Dame in neuem Kleid

Vor ein paar Wochen entdeckte ich eine Triumph Gabriele bei ebay-Kleinanzeigen in einer ungewöhnlichen Farbkombination – weiß und rot. Hatte ich bisher so noch nicht gesehen und mein Interesse war geweckt. Wie ich feststellen musste, war rote Farbe nicht original und nicht im besten Zustand. Also wagte ich mal wieder ein neues Experiment. Verwendet habe ich als Grundlackierung Kupfer in Hammerschlagoptik, dann mit weißen bzw. schwarzen Crackle-Lack überlackiert und mit einem Glanzklarlack versiegelt. Nachfolgend das Ergebnis 🙂

Wie eine Adler aus der Asche

Vor einigen Jahre habe ich durch eine sehr gute Freundin meine erste richtige Herausforderung im Bereich der Schreibmaschinenreparatur erhalten. Gefunden wurde das gute Stück in einem alten feuchten Keller, welcher bei der Schneeschmelze auch schon unter Wasser stand. Wie lange sie dort schon im Dunkeln ihr Dasein fristen musste, ist unbekannt, jedoch mindestens 30-40 Jahre. Dementsprechend hielt ich bei der Übergabe ein schweres, verdrecktes und rostiges Stück alter Schreibtechnik in der Hand und wusste zu diesem Zeitpunkt weder, um was für eine Maschine es sich handelt, noch wie ich sie wieder zum Leben erwecken kann. Über das Design und die Seriennummer gelang es mir jedoch recht schnell, die „alte Dame“ als Adler Modell 7 aus dem Jahr 1906 zu identifizieren. Von der origninalen Beschriftung war durch eine Überlackierung nichts mehr vorhanden.

Eines war klar, um hier irgendetwas bewirken zu können, musste die Maschine zerlegt werden. In einem solchen Umfang hatte ich dies noch nicht gemacht. Ich behandelte die Mechanik, Schrauben und Muttern erstmal großzügig mit Rostlöser und nahm mir Zeit zum Nachdenken über das große „Wie?“.

Nach einiger Zeit begann ich dann, mich der „alten Dame“ zu widmen, auch wenn ich keinen wirklichen Plan über die Vorgehensweise hatte. Ich fing an, die Schreibmaschine Stück für Stück auseinander zu nehmen. Die folgenden Bilder sollen einen Eindruck vermitteln, welcher Anblick sich mir bot.

Nachdem ich vom anfänglichen Rost und Dreck abgeschreckt war, so konnte ich dann erleichtert feststellen, dass der Rost nur oberflächlich und außer der Zugfeder nichts kaputt war. Ein großer Hoffnungsschimmer in Hinblick auf den Erfolg meiner Mission. Es war somit hauptsächlich eine Fleißarbeit, die Einzelteile zu reinigen und zu entrosten. Die größten Schwierigkeiten für mich waren die Reparatur der Zugfeder, welche mir aber ebenfalls gelang, und den Überblick über die Einzelteile des Technikpuzzels zu behalten. Es hat sich hierbei bewährt, die Teile von Komponenten zusammen zu halten und ähnlich einer Explosionszeichnung anzuordnen. So muss ich nicht lange nach den passenden Teilen oder Schrauben suchen, und kann schon aus der Lage der Teile auf die Position in der Maschine schließen. Diese Vorgehensweise benötigt zwar etwas Platz zum Auslegen, erspart aber den Frust bei der Suche nach Teilen und deren richtiger Position.

Nachfolgende Galerie zeigt die gereinigten Puzzelteile. 🙂

Nach ca. 100 Stunden Arbeit mit Reinigen, Reparieren, Schleifen, Polieren und Montieren stand die funktionstüchtige Schreibmaschine der Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer AG vor mir. Dank dem Internet habe ich in Holland eine neue Beschriftung gefunden, und konnte der Maschine somit ihre Identität zurückgeben. Nun musste ich nur noch ein passendes Farbband finden, denn mit einer Breite von 25 mm gehört dies zu keinem heutigen Schreibmaschinenstandard. Fündig wurde ich beim Druckerzubehör der Marke Pelikan, welche für den Nadeldrucker Printronix P300 (Artikelnummer 531913) ein Farbband in der notwendigen Breite herstellten. Ich musste dieses dann nur noch auf die originalen Farbbandspulen aufwickeln und war endlich am Ziel. 😉